Laika und die vergessenen Helden der Raketentechnik

Laika und die vergessenen Helden der Raketentechnik

Vor 64 Jahren flog die Hündin Laika als erster Hund in die Umlaufbahn der Erde. Am 3. November 1957 startet die Sputnik II mit der Hündin in die Erdumlaufbahn. Allerdings nahm es mit Laika ein trauriges Ende. Rund fünf Stunden nach dem Start der Rakete verstarb die Hündin.

Expedition Laikas war übereiltes Unterfangen 

Obwohl in der Kapsel Vorrichtungen zur Fütterung des Hundes sowie zur Messung der Herztöne angebracht wurden, war eine Rückkehr von Laika von vornherein ausgeschlossen. Es stand nicht auf der Agenda der Forscher. Auch die Kapsel wurde auf die Schnelle aus alten Teilen vorheriger Versuchsprogramme zusammengesetzt. Das Ganze war ein Experiment, das schnell aus der Hüfte geschossen wurde.

Hintergrund des tragischen Flugs war eine Anweisung des damaligen sowjetischen Staatschefs Nikita Chrustschow an den Raketenkonstrukteur Sergej Pawlowitsch Koreljow. Nach dem erfolgreichen Start des Satelliten Sputnik I, wollte Chrustschow nun eine zweite Rakete ins All schießen – und dies pünktlich zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution.

Fest stand, dass die Sputnik II mit einem Lebewesen an Bord in den Orbit abheben sollte. In den 50er Jahren – zu Zeiten des Kalten Kriegs – wollten die Sowjets den USA damit einen Schritt voraus sein und somit Stärke demonstrieren. Die Rakete sollte die erste in der Erdumlaufbahn sein.

Laika zeigte Widerstandskraft

In den kommenden Wochen wurden neben Laika noch zwei andere Straßenhunde auf das Experiment vorbereitet. Die Tiere absolvierten Tests, die auch heutige angehende Astronauten absolvieren müssen. Man wollte herausfinden, ob die Hunde den Beschleunigungskräften beim Start und der Schwerelosigkeit gewachsen waren. Laika galt von den drei Hunden am zähesten. Gleichzeitig war ihr Schicksal auf Erden damit besiegelt.

In einem Weltraumanzug gesteckt und in einer druckdichten Raumkapsel gefangen begann die letzte Reise des Hundes. Der Anzug war mit Sensoren ausgestattet, die den Herzschlag sowie den Blutdruck und den Atem kontrollierten. Darüber hinaus wurde Laika ständig von einer Kamera überwacht.

Tod während der Erdumrundung

Der Lärm beim Start und die Vibrationen in der Kapsel machten der Hündin eine große Angst. Außerdem hatte sie Herzrasen. Wie man auf der Erde feststellte, schlug das Herz dreimal schneller als es für Hunde normal ist. Bei Erreichen der Erdumlaufbahn beruhigts sich Laika allerdings wieder.

Dennoch hielt der ruhige Zustand nicht lange an. Nachdem die Sputnik II mehrmals die Erde umrundet hatte, stieg die Temperatur in der Kapsel stark an. Sie war nur unzureichend vor Sonneneinstrahlung geschützt. In Folge der Hitze und des Stresses, dem sich Laika ausgesetzt sah, verstarb sie.

Laika war allerdings nicht die erste Hundedame, die in einer Kapsel ins All flog. Vor ihr hatten die Mischlinge Dezik und Tsygan das Vergnügen. Die Vierbeiner flogen 110 Kilometer in die Höhe und stürzten anschließend zurück zur Erde. Durch einen Fallschirm landeten sie sanft und überlebten die waghalsige Expedition.

Bei Flügen danach öffnete sich der Fallschirm nicht und die Tiere wurden regelrecht am Boden zerschmettert. Auch kam es bei manchen Raketentests zu einer derartigen Stresssituation für die Hunde, dass sie einen Herzinfarkt bekamen und infolgedessen starben.

Ein Jahrzehnt voller vergessener Helden der Raketentechnik

In den Jahren von 1951 bis 1961 wurden in zahlreichen Experimenten insgesamt 48 Hunde von den Sowjets in den Weltraum geschossen. Auf diese Zahl beruft sich „Der Spiegel“. 20 der Hunde haben die Tests nicht überlebt.

Welche Torturen die Hunde über sich ergehen lassen mussten, zeigt der Film „Die Hunde-Astronauten von Baikonur“. Unter anderem zeigt die Doku, dass die Forscher oft ein inniges Verhältnis zu den Hunden hatten und keineswegs nur auf die Technik und wissenschaftliche Erkenntnisse fokussiert waren. Darüber hinaus zeigt der Film, dass für die bemannten Raumfahrt-Experimente keine Rassehunde, sondern Mischlinge verwendet wurden. Angeblich seien diese widerstandskräftiger für die Expeditionen gewesen.

Wahrheit kam erst spät ans Licht

Die Wahrheit darüber, was mit Laika und anderen Helden der Raketentechnik passierte, kam lange Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ans Tageslicht. Tierschützer gingen auf die Barrikaden. Doch die Sowjets hatten das Rennen gegen den Westen – vor allem gegen die USA – gewonnen und schickten am 12. April 1961 mit Juri Gagarin den ersten Menschen in einer Raumkapsel zur Umrundung der Erde in den Weltraum.

Foto oben: Screenshot / Youtube

Trailer von “Die Hunde Kosmonauten von Baikonur
November 5, 2021Comments OffChruschtschow | Helden | Laika | Raketentechnik | Sowjets | Sputnik II | USA
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