Listing Type : Nordrhein-Westfalen
Location : Ratingen
Erwachsene : 4,50 €
Telefon : +49 (0) 2234 9921555
Anschrift : LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford
Straße : Cromforder Allee 24
PLZ / Ort : 40878 Ratingen

Von der Faser zum Garn – Die erste Textilfabrik

Unmittelbar am Flüsschen Anger gelegen und eingebettet in einen alten englischen Landschaftspark befindet sich eine der ältesten erhaltenen Industrieanlagen in Deutschland: die Baumwollspinnerei Cromford in Ratingen. 1783/84 von dem Wuppertaler Kaufmann und Unternehmer Johann Gottfried Brügelmann gegründet, gilt sie heute als erste vollmechanische Baumwollspinnerei auf dem europäischen Kontinent. Fast vollständig ist die frühindustrielle Anlage aus dem späten 18. Jahrhundert erhalten: die fünfstöckige „Hohe Fabrik“ und das spätbarocke Herrenhaus Cromford – heute beides Gebäude des LVR-Industriemuseums, die „Alte Fabrik“, die schlichten Arbeiterwohnungen, das Kontor und das Radhaus, das einst das Wasserrad beherbergte.

Wo noch bis vor fast 30 Jahren im großen Stil gesponnen und gewebt wurde, ist heute die Dauerausstellung des LVR-Industriemuseums zu sehen. Hier wird am Beispiel der Geschichte Cromfords die Einführung des Fabriksystems in Deutschland thematisiert. Anhand von originalgetreu nachgebauten Spinnmaschinen lässt sich im Schaubetrieb die Herstellung von Baumwollgarn wie vor 200 Jahren vom Rohstoff bis zum fertigen Garn nachvollziehen. Im Herrenhaus Cromford erzählt eine weitere Dauerausstellung vom bewegten Leben der damaligen Fabrikantenfamilie.

Die „Hohe Fabrik“

Betritt man die „Hohe Fabrik“, steht man vor einem mächtigen, hölzernen Wasserrad, das wie im 18. Jahrhundert über eine Transmission sämtliche Spinnmaschinen der Fabrik antreibt. Hier im Erdgeschoss liefert es der „Water Frame“, der ersten vollmechanischen Spinnmaschine, die Energie. Von dieser Feinspinnmaschine, die von Richard Arkwright in England erfunden worden war, hatte der Unternehmer der Fabrik Johann Gottfried Brügelmann gehört. Und es gelang ihm, vermutlich durch Industriespionage, diese Maschine in Ratingen nachzubauen.

Von der rohen Baumwolle zum Faden

Im ersten Stock der Fabrik steht zunächst der Rohstoff im Mittelpunkt: Woher stammt die Baumwolle? Wie kam sie nach Europa? Welchen Anteil hatten die frühindustriellen Fabriken am Sklavenhandel in Amerika? Dann schließen sich die Verarbeitungsschritte auf dem Weg zum fertigen Garn an. Es wird gezeigt, wie die Baumwolle geschlagen, gereinigt, kardiert, gestreckt und zu einem lockeren Vorgarn verdreht wird. Doch die Besucherinnen und Besucher erfahren nicht nur die Technik der Baumwollverarbeitung. Die Maschinen mit ihren scharfen Zähnen, offen laufenden Getrieben und Treibriemen erzählen auch von den Gefahren der Arbeit. Und der heute noch durch die Luft fliegende Baumwollstaub lässt ahnen, wie gesundheitsgefährdend das Arbeitsklima für die Beschäftigten war.

Welt der Arbeit – Welt der Mode

Steigt man eine Etage höher, zeigt eine originale Mule, eine Spinnmaschine des frühen 19. Jahrhunderts, wie die Arbeiterinnen und Arbeiter dem Takt der Maschine unterworfen wurden. Die meisten von ihnen waren Kinder. Denn Kinderarbeit war um 1800 ganz selbstverständlich und auch in Cromford üblich. Die Besucherinnen und Besucher erfahren hier, was Kinderarbeit bedeutete, vom langen Kampf um ihre Eindämmung durch die ersten Kinderschutzgesetze und von der Einrichtung einer Fabrikschule.

Der Welt der Arbeit und der Produktion ist die Welt des Konsums und der Mode gegenübergestellt. Angenehm weich und in leuchtenden Farben bedruckt, waren die neuen Baumwollstoffe um 1800 hoch begehrt. Wenn auch nur wenige dieser Kleider aus Baumwolle erhalten sind, konnte das Museum dennoch eine eindrucksvolle Sammlung zusammentragen. Ergänzt werden sie durch Accessoires und Beispiele frühester Modezeitschriften.

Neben der Dauerausstellung finden in den oberen Etagen der „Hohen Fabrik“ regelmäßig Wechselausstellungen statt. Insbesondere Ausstellungen zur Kulturgeschichte der Bekleidung bilden einen wichtigen thematischen Schwerpunkt. Auf diese Weise werden immer wieder neue Ausschnitte der großen Kostüm- und Modesammlung des LVR-Industriemuseums präsentiert.

Das repräsentative Herrenhaus

Verlässt man die Fabrik und geht über den ehemaligen Fabrikhof, kommt man an den Hintereingang des Herrenhauses Cromford, das ehemalige Wohnhaus des Fabrikanten. Im Stil eines adligen Lustschlosses des Spätbarock gebaut, spiegelt das Herrenhaus in Ausstattung und Ausmaßen den Erfolg eines der erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit: Johann Gottfried Brügelmann. Die Dauerausstellung im Erdgeschoss informiert über das Leben und das wirtschaftliche Handeln der ersten vier Unternehmergenerationen vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1848. Sie erzählt vom wirtschaftlichen Handeln in politisch unsicheren Zeiten wie auch von ganz privaten Dingen – den Lieblingsspeisen, der Jagd, Heiratsabsichten, dem Umgang mit den Dienstboten oder den Vorbereitungen für ein Fest.

In 14 Räumen mit mehr als 320 Quadratmetern und über 250 Exponaten werden die Familienmitglieder wieder lebendig. Jedem Raum wird eine Person zugewiesen, deren Geschichte via Audioguide in Form einer Hörspielsequenz erzählt wird. Im Mittelpunkt steht jedoch das Haus selbst. Es ist das bedeutendste Exponat und wird als komplettes Denkmal einbezogen.

Im ersten Stock erwartet die Besucherinnen und Besucher der repräsentative Höhepunkt des Hauses: der Gartensaal. Der fast kreisrunde Saal verläuft über zwei Stockwerke und ist an den Wänden mit klassischen Landschaftsmalereien bemalt. Große Spiegel und Konsoltische vervollständigen den herrschaftlichen Eindruck dieses Salons.

Ein Gang durch den Park rundet den Besuch im Museum ab.

Gestern und heute
Über 200 Jahre wurde in Cromford Baumwolle verarbeitet. 1783/84 gegründet, erlebte die Fabrik einen rasanten Aufschwung. Trotz vielfältiger Krisen, zeitweiligem Stillstand oder Fremdnutzung – während des zweiten Weltkriegs wurde die Spinnerei umgenutzt für die Zünderproduktion – konnte sich die Firma halten, bis sie dann 1977 die Tore endgültig schloss. Im selben Jahr wurden große Teile der Fabrikerweiterungen des 19. Jahrhunderts abgerissen. Und auch der Abriss der „Hohen Fabrik“ war schon beschlossene Sache. Doch kurz vor dem Abriss wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Fabrik und Herrenhaus wurden aufwendig restauriert, museal eingerichtet und 1996 als Schauplatz des LVR-Industriemuseums eröffnet.

Unterhaltsame und erlebnisreiche Programmvielfalt

Ein umfangreiches museumspädagogisches Programm mit attraktiven Aktivitäten für Freizeit und Bildung ergänzen die Angebote der Dauer- und Sonderausstellungen. Führungen und Programme können für alle Altersstufen und Zielgruppen und zu unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten gebucht werden. Interaktive und handlungsorientierte Projekte und Ferienspiele für Kinder und Jugendliche sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vortragsveranstaltungen, Exkursionen und Konzerte für Erwachsene ergänzen das Angebot.

Auch das Feiern kommt in Ratingen nicht zu kurz. Kinder können aus den museumspädagogischen Angeboten wählen und sich ein Programm für ihren Geburtstag zusammenstellen. Darüber hinaus nutzen Vereine, Firmen, Institutionen und Privatpersonen das Museum als Rahmen für ihre Veranstaltungen und Feste. Und im Sommer ist der Gartensaal ein beliebter Ort für standesamtliche Trauungen.

Sieben Schauplätze, ein Museum

Die Textilfabrik Cromford ist einer von insgesamt sieben Schauplätzen des LVR-Industriemuseums, die im Verbund ein einzigartiges Museums bilden. In zum Teil denkmalgeschützten Fabriken wird am authentischen Ort spannend und anschaulich die Geschichte der Industrie im Rheinland und der dort beschäftigten Menschen erzählt. Dabei stehen die zentralen Branchen Metall, Textil, Papier und Elektrizität im Mittelpunkt. Neben der ehemaligen Textilfabrik Cromford warten auch die anderen Schauplätze darauf, entdeckt zu werden: die Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen, das Kraftwerk Ermen & Engels in Engelskirchen, die Tuchfabrik Müller in Euskirchen, die Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach und die Zinkfabrik Altenberg mit Peter-Behrens-Bau, sowie die St. Antony-Hütte und das Museum Eisenheim in Oberhausen. In Oberhausen befindet sich außerdem die Museumszentrale mit Direktion, Verwaltung, Depots, Bibliothek, Fotoarchiv und Werkstätten. Gründer und Träger des LVR-Industriemuseums ist der Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Features
Audioguide
Baby-Wickelraum
Behindertengerecht
Eigene Parkplätze
Getränkeautomat / Snacks
Gruppenführungen
Kostenloses WLAN
Museum Shop
Online-Tickets
Restaurant (SB)
Tiere erlaubt
Toiletten

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